Thees Uhlmann, 9. September, Steintor-Varieté, Halle, 20 Uhr, Tickets: www.kaenguruh.de
Der Musiker Thees Uhlmann, Jahrgang 1974, gastiert am 9. September im Steintor-Varieté Halle. Präsentiert wird das aktuelle Album „Sincerely, Thees Uhlmann. Das Beste von Tomte bis heute“ (2024), das nicht weniger als eine Werkschau ist: Songs seiner Band „Tomte“, Lieder der Solo-Karriere. Grund genug, bei Uhlmann nachzufragen
Ich erwische Sie Mitte August während einer Radtour von Berlin nach Hamburg.
Von Kreuzberg nach St. Pauli!
So viel Zeit muss sein. Warum machen Sie das?
Ich kann beim Radfahren wahnsinnig gut nachdenken.
Was haben Sie bisher auf Ihrer Radtour gesehen?
Alte Grenztürme, die heute als Museen funktionieren. Eine Fähre, die wegen Niedrigwasser nicht fahren kann. Ein Stadtfest in der Stadt Brandenburg, das eine wahnsinnig gute Stimmung hatte. Oder auch das Vogelverhalten im Hochsommer.
Stichwort Stadtfest: Werden Sie dort erkannt?
Eigentlich nicht, ich bin kunstberühmt, aber nicht fernsehberühmt. Das schätze ich, das gestattet mir eine Freiheit im Alltag. Ich kenne die Erzählungen von Freunden, die sehr berühmt sind, die damit zu kämpfen haben, wenn Leute ihren Anstand und ihre Contenance verlieren.
Zum aktuellen Album: Sich so noch einmal durchs eigene Leben zu bewegen, bringt Erkenntnisse mit sich: Welche?
Das war für mich ein Trip zu meinem früheren Ich. Anfangsstation: Mein 25-jähriges Ich. Ich kann dabei beobachten, welchen Ausdruck ich damals gefunden habe. Und der Hauptgedanke: Cool und schön, dass ich damit durchgekommen bin, dass ich heute mit Überzeugung sagen kann, dass es gut war, es durchgezogen zu haben. Auch gegen Widerstände. Dass es egal war, wie viel Geld ich damit verdiente. Dass es egal war, wie viele Leute das eigentlich hören wollten.
Da kommt mir die Gänsehaut-Zeile „Für das, was man ist - und gegen den Geschmack!“ aus Ihrem Song „Junkies und Scientologen“ in den Sinn.
Genau! Ich meine, wir haben damals als Unbekannte in kleinen Clubs angefangen, haben in Halle beispielsweise im Turm drei - oder viermal gespielt. Nach Corona können sich viele Clubs so etwas Unkalkulierbares gar nicht mehr leisten. Die Kosten - Security, Techniker, Tresenkräfte beispielsweise - sind zu groß.
Das große Thema der kulturellen Veränderung?
Ich will gar nicht kulturpessimistisch klingen, aber würde „Queen“ heute mit „Bohemian Rhapsody“ aufschlagen, müssten sie erst einmal mit folgender Reaktion rechnen: Hey, alles gut und schön, aber dieser Song ist ja länger als zwei Minuten - und fängt nicht mit dem Refrain an! Ich meine das nicht kritisch, sondern beschreibend: Das Konzept der Rock´n´Roll-Bands wird gerade abgelöst von dem Konzept „Zwei Leute, ein Compter“.
Text: Mathias Schulze
