Scheer, Dresen & Band, 22. August, Parkbühne Geyserhaus, 19.30 Uhr, Tickets: www.geyserhaus.de
Der Schauspieler Alexander Scheer und der Regisseur Andreas Dresen kommen wieder mit Band auf die Parkbühne Geyserhaus. Gespielt werden nicht nur Gundermann-Songs. FRIZZ-Redakteur Mathias Schulze mit einer Vorschau als Erinnerung
Man schreibt das Jahr 2019. Parkbühne Geyserhaus. Frisch nach dem Dresen-Film „Gundermann“ geht das Ensemble auch selbst auf die Bühne. Dass sie es heute noch tun, zeigt, welchen Nerv sie getroffen haben. Trotzdem ist es am Anfang ein Experiment. Schauspieler, Gitarrist und Sänger Alexander Scheer fasst es 2019 auf der rappelvollen Parkbühne so zusammen: „Uns geht ganz schön die Muffe!“
Nicht ohne Grund! Die Versammelten kennen die Fußstapfen Gerhard Gundermanns. Die Erben müssen sich als würdig erweisen, ein berührender Film macht noch kein Live-Konzert. Über „Leine los“ („Alle wissen wo’s langgeht / Aber keiner weiß warum“), ging es zu „Revolution Nr.10“: „Es blasen sich die Mücken auf zu hohlen Elefanten / Die weichen Eier bügeln ihre Haut zu scharfen Kanten / Nur du weißt deinen Preis nicht, stotterst leis am Telefon / Nur das und nichts weiter, mein Sohn, ist heut schon Revolution.“
Das Publikum ist, natürlich, textsicher, kennt „Linda“ oder die „Schwarze Galeere“. Dresen, Scheer und Band zaubern einen wilden Rock’n’Roll und eine zarte Intimität auf die Bühne. Dresen gibt stimmlich und an der Gitarre den unaufgeregten Part. Scheer braucht das Theatrale, das Exaltierte, das das „Hier-bin-ich-Leben-nun-bist-du-mein“ eindrücklich einfordert.
Wie im Film ist Scheer ein Ereignis, seine vom Leben gegerbte tiefe Stimme legt neuen Spirit in die guten alten Songs. Selbstbewusst fügt er dem Original schnell mal eine rotzige Nuance bei, gekonnt streut er Coolness und Lässigkeit, beeindruckend rauscht seine Persönlichkeit in den ruhigen Stücken. Scheer singt nicht Gundermann, Scheer singt Scheer mit den Liedern Gundermanns. Gut so!
Die Band um Keyboarder Jens Quandt, Gitarrist Jürgen Ehle, Bassist Harry Rosswog und Schlagzeuger Nicolai Ziel schenkt einen modernen Sound. Und Dresen flankiert mit kleinen Geschichten: „Zwölf Jahre hat man uns erzählt, dass dies niemand sehen will. Die Filmförderung hat gefragt: Gundi? Wer ist das?“ Sofort ergänzt Scheer messerscharf: „Dann hast du gefragt: Und wer ist Toni Erdmann?“ Dresen erzählt, dass die Lieder nun auch im Westen gehört werden. Gespielt werden auch Pankow-Nummern oder Bowies „Heroes“. Es ist ein zauberhafter Abend, Sternchenaugen inklusive. Schön, dass er wiederholt wird!
Text: Mathias Schulze
