IC Falkenberg, 20. September, Händel-Halle, 20 Uhr, Tickets: www.cultour-buero-herden.de
Über dem Falkenberg-Konzert am 20. September in der halleschen HändelHalle steht die Überschrift „Vierzig Jahre Solokarriere“. Warum? Wir haben beim Hallenser IC, alias Ralf Schmidt, nachgefragt.
Wir kommen zum Einstieg nicht drumherum: Was macht der „Schwarze Hund“, also die Depression? Wie geht es Ihnen?
Der „Schwarze Hund“ stromert irgendwo herum, manchmal kommt ver in Sichtweite, um sich aber auch gleich wieder zu trollen. Das Leben ist gut zu mir. Ich bin von liebenswerten Menschen umgeben. Auch meine Kunst findet immer öfter ihr Publikum. Das aktuelle Album „Komm an Land“ ist das erfolgreichste der letzten Jahre.
Vierzig Jahre Solokarriere – inwiefern ist das Konzert dadurch geprägt?
Ich befinde mich mitten im 40. Jubiläumsjahr. Alles begann im November 1984, mit den Produktionen für mein erstes Soloalbum „Traumarchiv“. Dieses Album wurde 1987 veröffentlicht und zählt zu den erfolgreichsten Alben der achtziger Jahre im Osten. Wir werden, erstmalig und nur bei den Jubiläumskonzerten in Halle am 20. September und in Dresden am 3. Oktober, alle Songs des Albums spielen. Auch erstmalig werden die Band und mein Streicher-Projekt „IC Falkenberg_Unterstrichen“ gemeinsam auf der Bühne performen.
Was hören Sie, wenn Sie Ihre Songs vom ersten Solo-Album heute hören?
Das ist eine sehr gute Frage. Viele Songs habe ich noch nie live gespielt. Der Abstand zu diesen Liedern ist riesig, fast ein halbes Menschenleben lang. Ich brauchte mehrere Anläufe, um sie wieder zu verstehen, ihren gedanklichen Ursprung aus der Erinnerung zurückzuholen. Und natürlich betrachte ich sie aus diesem Abstand vor allem mit der Frage, wie ich sie in mein künstlerisches Jetzt hole. Das ist eine sehr schöne Aufgabe.
Was sehen Sie am schärfsten, wenn Sie auf die letzten 40 Jahre blicken?
Ich schwanke zwischen Fehleranalyse und dem Feiern der vielen außergewöhnlichen Momente, die mir der Zufall und das Glück geschenkt haben. Am schärfsten sehe ich aber die prägenden Begegnungen mit Menschen, die tiefe Spuren in meinem Denken und Handeln hinterlassen haben.
Welche gesellschaftlichen Themen haben Sie in den letzten Monaten besonders gepackt? Wie erleben Sie die Diskussionen?
Es gibt so viele gesellschaftliche und politische Themen, mit denen ich mich auseinandersetze, auch das ist ja Basis meiner Kunst. Es gibt kein Album, das sich nicht mit dem, was es an dieser Welt zu verbessern gilt, beschäftigt. Ich weiß nicht mehr, wie viele Lieder ich zum Thema Krieg, soziale Gerechtigkeit, Klimawandel oder Globalisierung geschrieben habe. Diese Themen lassen mich nicht los, weil sie leider weiterhin aktuell bleiben, da kann man nirgendwo einen Haken dran machen.
Die öffentliche Diskussion …
… stellt sich momentan für mich im Kern so dar: Alle eint nur noch eins.
Das wäre?
Die Unzufriedenheit. Es wird blindwütig auf alles eingeschlagen, was nicht zur persönlichen Befindlichkeit passt. Konstruktiver Diskurs ist nicht mehr möglich, so scheint es. Das Gute im Menschen wird verhöhnt. Die guten Menschen werden für ihr Gut-Sein diffamiert. Das Anderssein muss sich von den Menschenfeinden durch die Straßen jagen lassen, während die Gesellschaft hinter geschlossenen Fenstern ihr Fast-Food genießt. Besonders im Moment stellt sich vieles in Frage, was gestern noch selbstverständlich war. In meiner Welt gibt es aber auch Hoffnung. Unbemerkt, weil öffentlich unkommentiert, gibt es – wie schon immer in der Menschheitsgeschichte – kleine, aber feste Schritte, die in eine bessere Zukunft führen werden. Pläne, Ziele? Im Moment plane ich den Versuch, meine Autobiographie zu schreiben. Ein neues Album-Projekt für 2026 ist auch in der Pipeline. Außerdem planen wir 2026 wieder mehr Konzerte mit „IC Falkenberg_Unterstrichen“ zu spielen. Ziel bleibt es, weiterhin unabhängig von der Musikindustrie meine künstlerische Freiheit zu bewahren.
Was ist Glück?
Ein milder Sommerabend am Strand mit meiner Großfamilie.
Text: Mathias Schulze
