Vollversion des Interviews: facebook.com/HalleFrizz, Anhaltisches Theater Dessau, www.anhaltisches-theater.de
Robert Teufel, Jahrgang 1982 und geboren in Baden-Württemberg, ist ab der Spielzeit 2025/2026, also ab August, der neue Leiter der Sparte „Schauspiel“ am Anhaltischen Theater Dessau. Grund genug, bei Teufel nachzufragen
Hallo, Robert Teufel, ab der kommenden Spielzeit sind Sie neuer Schauspieldirektor am Anhaltischen Theater Dessau. Wohnen Sie an Ihrer neuen Wirkungsstätte und welche Wege führten Sie nach Sachsen-Anhalt?
(lacht) Wir führen unser Gespräch jetzt gerade im Juni, die Spielzeit startet im August. Noch wohne ich nicht in Dessau. Aber das wird sich ändern. Das Schöne am Theater ist, dass es obwohl wir fahrendes Volk sind, lange Arbeitsbeziehungen gibt. Johannes Weigand hat bei der Besetzung meiner Position das Ensemble beteiligt. Es war gewissermaßen ein zweiteiliges Verfahren: Zum einem war ich ein Vorschlag aus dem Ensemble, zum anderen gab es ein ganz normales Bewerbungsverfahren, in dem ich mich dem Haus vorgestellt habe.
Wie lange läuft Ihr Vertrag? Mit welchen Erwartungen und Zielen kommen Sie?
Die Perspektive sind erst einmal einige Jahre. Ach, Erwartungen mag ich gar nicht so gerne. Ich erlebe die Kollegen und Kolleginnen jetzt schon, bin sicher, dass alle darauf brennen, fesselndes und berührendes Theater zu machen. Das ist nämlich das Ziel. Gute Unterhaltung. Ich glaube nicht, dass Theater andauernd eine Lehranstalt ist, die dem Publikum etwas beibringen will oder sollte. Ich glaube an komplexe Figuren und Geschichten, bei denen das Publikum mitgeht – und so berührt und unterhalten wird. Wenn das gelingt, ist Lernen fast immer inkludiert, weil wir uns mit dem, was uns berührt, beschäftigen. Ich möchte außerdem Virtuosität und viele komische Momente. Leichtfüßig über das Böse sprechen, so hat das John von Düffel mal genannt, das trifft es ganz gut. Das ganz große Ziel sind volle Säle. Wir wollen das Stammpublikum halten und doch neue Publikumsschichten erschließen. Ich hoffe, dass uns das mit einem tollen Spielplan, einem phantastischem Ensemble, spannenden Regie-Handschriften und einer starken Vermittlungsarbeit gelingt.
Würden Sie soweit gehen und sagen, dass Ihre Regie-Arbeiten schon eine feste Handschrift, eine Teufel-Philosophie tragen? Welche ist das?
Schon? Danke, dass Sie mir noch Jugend unterstellen!
Es kommt immer auf die Perspektive an.
Ich versuche den Kern des Textes zu finden und mich daran auszurichten. Unterschiedliche Texte, verlangen unterschiedliche Zugriffe. Aber en gros würde ich behaupten, dass ich ein Schauspielerinnen-Regisseur bin. Ich sagte ja schon, dass ich große, komplexe Figuren mag. Ich mag überraschende Wendungen, gerne auch eine Fallhöhe - daran arbeite ich auf den Proben. Zudem mag ich entschiedene Ästhetiken in Bühne und Kostüm. Wichtig ist mir außerdem entschiedene Zeitgenossenschaft. Was wir auf dem Theater verhandeln, muss mit uns zu tun haben.
Nun lebt ein jedes Theater auch von seinem Standort, von seinem Publikum: Wie haben Sie bislang die Stadt abgeschmeckt? Was nehmen Sie wahr? Was geht in Dessau, was geht nicht?
Zum einem möchte ich uns nicht schon Schranken auferlegen, weil wir befürchten, das was nicht funktionieren könnte. Zum anderen traue ich den Dessauern und Dessauerinnen mindestens alles zu, was ich uns auch zutraue. Es muss spannend sein: Ich wette, Qualität gefällt Leuten. Ich glaube, unsere Aufgabe ist es, ein tolles Angebot zu machen. Die ganze Palette zeitgenössischer Schauspielkunst auf höchstem Niveau mit einem spielstarken Ensemble und virulenten Themen. Wenn wir darin gut sind und Menschen berühren, dann sollte es funktionieren. Ich nehme aber insgesamt war, dass Theater sich thematisch manchmal sehr im eigenen Saft drehen. Ich glaube, wir sollten den Fokus auf Themen richten, die außerhalb der Theater-Bubble auch interessant sind. Die Welt ist voll damit und - daher ja Ihre Frage – jede Stadt besonders: Natürlich werden wir uns mit der spezifischen Dessauer Geschichte und Gegenwart beschäftigen. Aber Dessau ist eben auch Teil des großen Ganzen, das auch vorkommen wird.
Text: Mathias Schulze
