Bezahlt wird nicht, 9. bis 27. Juli, Theatergarten des Neuen Schauspiels, alle Termine: www.cammerspiele.de
Das Sommertheater der Cammerspiele Leipzig hat sich einen hervorragenden Ruf erspielt. Das diesjährige Stück von Dario Fo und Franca Rame heißt „Bezahlt wird nicht“ (1974). Wir haben mit Regisseur Thomas Deubel gesprochen
Doch zunächst zum Stück: Aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise beschließen Antonia und Margherita proletarisch einzukaufen – die eine Hälfte der Waren wird bezahlt, die andere geklaut. Eine kapitalismuskritische Farce über explodierende Inflationsraten, Wirtschaftskrisen und neoliberale Sparpolitik als Maßnahme zur Entpolitisierung der Arbeiterklasse. Unter der Regie von Thomas Deubel wird daraus eine hochkomische Mischung aus sozialistischer Utopie und italienischem Volkstheater – mit Musik, falschen Bäuchen, echten Schnurrbärten, akademischen Proletariern und proletarischen Einkäufern.
Hallo, Thomas Deubel, wie kam’s, in diesem Jahr „Bezahlt wird nicht“ auf die Bühne zu bringen?
Warum nicht? Tatsächlich war es so, dass neben diesem auch andere Stücke zur Debatte standen. Letztendlich haben wir uns für „Bezahlt wird nicht“ entschieden, da es makabererweise nie an Aktualität verliert. Man kann den Plot des Stückes eins zu eins in die heutige Zeit übertragen.
Das Thema samt der Konstellation, dass es ein Sommertheater-Stück ist, enthält Fallstricke. Stichwort: Lachen übers Proletariat.
Ich denke, dass die Komik im Stück nicht darin besteht, dass man sich über das Proletariat als solches lustig macht. Wir lernen im Stück Figuren kennen, welche auf eigene Weise ihre Nöte und Ängste zum Ausdruck bringen. Dies aber ohne Pathos, sondern eher mit einer Portion Selbstironie und der Fähigkeit, selbst in der größten Not noch Hoffnung zu schöpfen. Wir werden nicht mit erhobenem Zeigefinger Dinge thematisieren, welche eh schon für jeden sichtbar sind. Stichwort Fallstricke: „Ich hänge mich auf!“ – Zitat Giovani aus dem Stück. Es wird eine Farce mit überspitzen Charakteren und absurden Konfliktlösungen.
Ab wann ist so ein SommertheaterStück der Cammerspiele ein Erfolg?
Selbstverständlich steht der monetäre Gedanke dieses Jahr nicht im Vordergrund (lacht). Natürlich wünscht man sich, dass alle Vorstellungen ausverkauft sind. Einen wetterbedingten Ausfall haben wir dieses Jahr nicht zu befürchten, da wir im „Neuen Schauspiel“ bei Regen drinnen spielen können. Also, kommt in Scharen!
Warum sollte man das Stück nicht verpassen?
Damit man sagen kann, ich habe da was erlebt, was ich so noch nie gesehen habe.
Text: Mathias Schulze
