Kuba, alle Infos auf instagram.com/kuba.analog und bald auf www.kubashouse.com, alle Infos zum „Leipzig Mural Fest“ unter: www.leipzigmuralfest.de
Der Leipziger Streetart-Künstler „Kuba“ ist Ende der 80er Jahre in Polen geboren und arbeitete heute als freiberuflicher Architekt und Maler. Mehr will er zu seiner Person nicht verraten. Zum Interview hat sich Kuba. aber dennoch bereit erklärt
Hallo Kuba, woher kommt eigentlich die Leidenschaft zum Malen auf Wänden? Warum machen Sie das?
Ich habe schon als kleines Kind sehr gern gemalt, mich später als Teenager auch viel für Graffiti interessiert. Als ich dann älter wurde, später auch anfing, Architektur zu studieren, ging diese Leidenschaft leider unter. Als ich dann nach Berlin zog, sah ich die ersten Streetart-Pieces und großflächigen Murals. Da wurde mir bewusst, dass man ja alles mögliche auch auf Hauswände malen kann. Ich fing an, mich mehr mit der Thematik auseinanderzusetzen – und beschloss dann irgendwann, es selbst zu probieren. Meine erste Gehversuche hatte ich in nicht mehr existierenden Abrisshäusern in Berlin. Als ich nach meinem Studium in Berlin 2016 durch berufliche Umstände nach Leipzig kam, ging es aber erst richtig los. Ich male im Prinzip das, was mir als erstes in den Kopf kommt, wenn ich die Wand sehe. Ich versuche, dass das Bild ein Konzept hat und eine Geschichte erzählt. Muss es aber nicht unbedingt. Natürlich bin ich stolz, wenn das Ergebnis gut ist, aber ich mache es hauptsächlich wegen der Freude am Malen. Ich mag auch den handwerklichen Aspekt daran sehr.
Warum ging es dann in Leipzig erst so richtig los?
Als ich von der Eisenbahnstraße nach Plagwitz zog, wurde damals die Graffiti-Hall an der Antonienbrücke eröffnet. Sie ist direkt vor meiner Haustür. Ich bin hier auch auf eine sehr offene Graffiti-Szene gestoßen, hab’ schnell viele andere Sprüher und Maler kennengelernt. Wir haben die Antonienbrücke und die Hall an der Gießerstraße viele Sommer in Folge hoch und runter bemalt. Ich finde, da gibt es immer noch ein paar ganz gute Flächen. Aber ich habe das Gefühl, dass es hier gerade wieder ein bisschen abflaut mit dem Malen. An der „Antonien“ wurde der Netto abgerissen, dessen Rückwand auch als große legale Fläche gedient hat. Jetzt kommt ein Neubau hin. Am „Conne Island“ gibt es noch ein paar ganz gute Flächen. Ich bevorzuge zum Beispiel eher hohe Flächen. Da könnte die Stadt noch ein bisschen mehr tun. In letzter Zeit werden vor allem kleine Flächen geschaffen. Und natürlich werden auch durch die Gentrifizierung alle möglichen Freiräume knapper.
Die Deutschen lieben ihre weißen Wände?
Ja, auf jeden Fall. In Deutschland ist Streetart immer noch stark mit Vandalismus assoziiert. Es ist schwierig, eine Genehmigung zu kriegen. Aber wenn die Leute erst einmal ein schönes Wandbild sehen, bleiben sie dann doch stehen, sind begeistert und fotografieren. Sie sind das Mural als Kunstform aber noch nicht wirklich gewohnt. Deswegen organisiere ich unter anderem auch das „Leipzig Mural Fest“. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich eine weitere Ausgabe geben. Ich möchte den Leuten den Mehrwert von Kunst im öffentlichen Raum, insbesondere Murals, näher bringen und auch andere Maler und Mal-Interessierte dazu ermutigen, es selbst zu probieren. Es wird auch Workshops geben, um die Leute zusätzlich zu motivieren. Manchmal sieht man einfach die Möglichkeiten nicht, die man hat. Ich habe auch mitbekommen, dass viele Leute Berührungsängste haben, weil es ihnen selbst zu fern erscheint, es auszuprobieren. Ich musste es sozusagen auch erst einmal von der Streetart-Szene vorgemacht bekommen, bis ich darauf kam, es selbst zu probieren. Vielleicht können meine Bilder – oder die von Anderen – ja jetzt auch dazu beitragen, Streetart und Muralism mehr in der deutschen Gesellschaft zu verankern.
Im Leipziger Stadtteil Kleinzschocher ist eine riesige Häuserwand von Ihnen mit einem wunderschönen Pilz bemalt. Wie entsteht denn so etwas, wie kommen Sie denn da hoch?
Im Rahmen des „Leipzig Mural Fest“ 2021 haben wir ein paar große Giebelwände in Plagwitz gestaltet. Nächstes Jahr möchte ich den Fokus auf einen anderen Stadtteil lenken. Meistens mieten wir einfach einen Kran oder ein Gerüst. Je nachdem, was der jeweilige Künstler bevorzugt.
Der Pilz entstand in Absprache mit dem Eigentümer?
Selbstverständlich. Ich habe den Eigentümern das Motiv vorgelegt.
Und das Bild samt Kran komplett selbst finanziert?
Ja, damals habe ich Farben und Kran noch aus eigener Tasche gezahlt. Aber eigentlich male ich hauptsächlich mit Restfarben, die irgendwo übrig geblieben sind: Aufträge, Festivals oder Baustellen. Ich habe schon seit Jahren so gut wie kein Geld mehr für Farben ausgegeben.
Aufträge?
Ja, ganz unterschiedliche Sachen. Dieses Jahr habe ich das Headquarter eines Sportclubs aus Berlin, die Fassade von einem regionalen Gemüseladen in Kreuzberg oder ein Bekleidungsgeschäft in Barcelona gestaltet. Wenn ich mich nicht zu sehr verbiegen muss, mach ich solche Sachen gerne. Bisher läuft alles über Mundpropaganda. Manchmal sprechen mich auch potentielle Kunden beim Malen an.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Eher düster und grob. Ich mag es, wenn es nicht so perfekt ist. Ich versuche eigentlich immer eine Bedeutungsebene einzubauen. Kann ein aktuelles Statement oder eine humoristische Einlage sein. Ich mag es, wenn das Bild eine Geschichte erzählt. Und der Bezug zum Kontext, in dem die Wand steht, ist mir sehr wichtig.
Text: Mathias Schulze
