Karo Nero, 17. September, Horns Erben, 20 Uhr, www.karo-nero.de
Die Leipziger Band Karo Nero um Songschreiber und Sänger Gunter Schwarz veröffentlicht am 12. September das neue Album „Alle Register“. Am 17. September dann spielt man im Horns Erben das Record-Release-Konzert. Leise Hymnen und laute Zweifel, intelligente Texte und Lebensfragen mit und ohne Antworten. Gutgemachter deutschsprachiger Singer/Songwriter-Stil, abgeschmeckt mit IndieRock und Ohrwurm-Melodien. Grund genug, bei der Sängerin Konstanze Gerlach, Jahrgang 1983, nachzufragen, die als Allgemeinärztin arbeitet und deren Stimme mit leuchtender Klarheit überzeugt
Hallo, Konstanze, mit fünf Jahren begannen Sie Violine zu spielen. Es geht nichts über eine Muttermilch-Prägung. Wie war das bei Ihnen: Sanfte Gewalt und Disziplin oder interessengeleitete Hinführung zur Musik?
Sanfte Gewalt? Ja! Denn es war gewaltig schön zu Hause! Musik war bei uns zu Hause allgegenwärtig. Ich erinnere mich daran, Tränen der tiefsten Rührung vergossen zu haben, wenn mein Papa abends die Appassionata oder Mondscheinsonate spielte – lange bevor ich ein vernünftiges Schulkind wurde. Die Violine kam ganz natürlich in mein Leben, nicht aus Druck, sondern weil ich gar nicht anders konnte. Musik war nie Pflicht, sondern schlicht Teil meiner Identität.
Warum entwickelte sich die Musik zur Herzensangelegenheit, warum ist sie das noch heute? Können Sie als Ärztin auch die medizinischen Seiten des Singens und gemeinsamen Musizierens beleuchten?
Musik war für mich nie nur ein schönes Extra, sie war einfach immer da – ein Teil von mir, wie ein zweites Herz. Genauso ging es mir mit der Medizin: Die Faszination fürs Menschliche, fürs Helfen, war genauso früh da. Auch für den Arztberuf hatte ich Vorbilder zu Hause, wuchs selbstverständlich damit auf. Ich habe einfach das Bedürfnis, etwas zu bewirken, Menschen zu erreichen, etwas in ihnen zu bewegen, ihnen gut zu tun. Im ärztlichen Alltag sehe ich täglich, wie sehr Menschen unter Druck stehen – körperlich wie seelisch. Manchmal denke ich: Was dieser Mensch jetzt eigentlich bräuchte, ist nicht nur ein Rezept oder ein Gespräch, sondern ein Klang, der ihn mit sich selbst verbindet.
Aus medizinischer Sicht ist Musik …
… weit mehr als schöne Unterhaltung. Singen wirkt nachweislich positiv auf das vegetative Nervensystem, stabilisiert Atmung und Kreislauf, reduziert Stresshormone und stärkt das Immunsystem. Aber vor allem: Musik schafft Verbindung – zu sich selbst und zu anderen. Und für mich ist das Musizieren genauso bedeutsam. Es ist nicht nur ein Geschenk, wenn ich Menschen damit erreiche. Es ist auch etwas, das ich selbst brauche. Es hält mich in Balance, bringt mich zu mir zurück. Ohne Musik wäre etwas ganz Wesentliches in mir nicht ganz.
In welchen Projekten sind Sie aktuell unterwegs? Was ist das für ein Spagat zwischen Beruf, Familie und Tourneen?
Zurzeit bin ich mit mehreren musikalischen Projekten unterwegs: Die Tour rund um das neue, dritte Karo-Nero-Album „Alle Register“, die Soul-Pop-Band Seelenherz und eine Kooperation mit Barthez und Peter Schneider - dieses Jahr erscheint der Song „Quiet“. Dazu kommt mein ärztlicher Beruf und natürlich meine Familie. Der Spagat mehreren Berufungen zu folgen ist da – keine Frage. Aber gerade diese Vielseitigkeit hält mich lebendig. Natürlich gibt es Tage, die dicht gefüllt sind, und Momente, in denen die Balance wackelt. Aber was mich umgibt, ist sinnstiftend. Und genau daraus schöpfe ich auch meine Energie. Die Bühne, die Musik, die Begegnungen mit Menschen, der Praxisalltag in einem ausgezehrt wirkenden Gesundheitssystem – all das fordert, aber es trägt mich auch.
Sind Sie gebürtige Leipzigerin. Wie nehmen Sie die Stadt im Wandel der Zeit wahr?
Die Stadt hat sich enorm gewandelt. Heute ist sie bunter und deutlich schneller geworden, da ist ein neues Pulsieren unter alter Haut. Wenn ich heute durch die Straßen gehe, fällt mir auf, wie viel Vielfalt hier entstanden ist. Cafés, Kunst, Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen, Leipzig hat alles. Und genau das macht den Reiz für mich aus: Es bleibt meine Stadt, aber sie überrascht mich immer wieder neu. Am liebsten sind mir dabei die positiven Überraschungen.
Zu Karo Nero: Sind Sie „nur“ Sängerin oder können Sie sich mit dem Stil der Band identifizieren? Wenn ja, wie?
Karo Nero ist für mich weit mehr als ein Bandprojekt. Es fühlt sich an wie ein musikalisches Zuhause unter Freunden. Die Verbindung kam über Peter Hirsch zustande, den ich als Pianisten für das Seelenherz-Debütalbum kennengelernt hatte. Durch einen glücklichen Zufall, ein spontanes Einspringen von Gunter „Knutschfleck“ Schwarz, standen wir plötzlich gemeinsam mit Karo-Nero-Stücken auf der Bühne. Und es war sofort da, diese besondere Energie, dieses: „Das passt!“.
Bitte vollenden Sie den Satz: „Was mich an Karo Nero berührt, ist …
… diese seltene Mischung: Musik, die lebt und atmet, Texte, die wirklich etwas sagen, und Menschen, die mit Herz und Haltung musizieren. Da geht’s nicht ums Glatte, sondern ums Echte. Und genau das spürt man.Die Texte sind klug, poetisch, gesellschaftlich wach, aber nie schwer. Da ist Tiefe, aber auch Witz. Haltung, ohne Pathos. Musik, die etwas erzählt, ohne belehrend zu sein. Musikalisch liebe ich diesen genreoffenen, ehrlichen Sound. Der lässt viel Raum für Gefühl, aber auch für Spielfreude. Es ist ein kreatives, herzliches Miteinander – und genau das spürt man, wenn man gemeinsam auf der Bühne steht. Für mich ist das eine ganz besondere Mischung, bei der ich mich als Musikerin voll wiederfinde.
Text: Mathias Schulze
