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Das letzte Wort im August hat der Leipziger Musiker Kevin Schmidt von der Bluesgrass-Band Helmet Duty
Hallo, Kevin, wenn Sie in diesen Tagen an Leipzig denken, welches Kompliment würden Sie der Stadt und/oder ihren Bewohnern machen?
Es gibt an vielen Ecken ausgezeichneten Kaffee.
Und welchen Tadel würden Sie der Stadt aussprechen?
Es gibt auch viel schlechten Kaffee. Schlaffe Brühe, die sich Engagement-gebremst aus dem vom Leben überforderten Vollautomaten quetscht, inkontinent ins Porzellan dröppelt und die sich gustatorisch selbst die Beine stellt, deren leibesschwache Crema auf dem Weg vom Tresen zum Stehtisch jämmerlichst zu Grunde geht und deren Säure-Spiel eher einem Schwergewichtsboxkampf gleicht. Kaffee, der sich in der Mundhöhle sofort als Fremdkörper inszeniert, sich alsbald daran gibt, die Magenschleimhaut zu bestem Schuhsohlenleder zu gerben. Manchmal ist mir das lieber, aber hier entspinnt sich keine Diskussion, ob ein Schluck Hafermilch eventuell die feinen Brombeernoten verstört. Ich habe fantastische Erinnerungen an wunderbare Momente mit richtig schlechtem Kaffee, aber keine einzige gute an eine Diskussion über Hafermilch.
Kriege, Klima, Inflation – überall Krisen. Wie gelingt es Ihnen, optimistisch zu bleiben?
Neulich hatte ich eine schwere Sinnkrise. Eine wiederkehrende Entzündung im Arm setzt mich zum dritten Mal in diesem Jahr für mehrere Wochen auf die Ersatzbank. Wegen eines ominösen, wenig schmerzenden Huckels am Ellenbogen kann ich nicht rennen, gehen, Fahrrad fahren, üben, muss Konzerte absagen oder trotzdem spielen. Der Urlaub steht auf der Kippe und meinem Arbeitgeber kann ich das langsam auch nicht mehr erklären. Während ich also so mit einem Kaffee auf dem Balkon in gedankliche Düsternis verfalle: Dachgeschoss, Südseite, Durchschnittstemperatur 58 Grad – setzt sich ein Kaisermäntelchen auf meiner üppigen Armbehaarung nieder, um nach wenigen Augenblicken spontan in Flammen aufzugehen. Da entsann ich mich jüngst eingegangener Elektropost: Eine lokale Zettelwirtschaft bat mich, meine letzten Worte zu verfassen. Die wollen das drucken. Während ich mir also diesen Buchstabensalat hier aus der Perücke klopfe, muss ich tatsächlich lachen. Um die oben gestellte Frage zu beantworten: Vermutlich gelingt es mir dank des Humors. Natürlich nicht meines eigenen, denn ich selbst besitze leider keinen. Ich werde mir auch keinen mehr zulegen, es liegt ja genug davon rum.
Welchen Kulturtipp in oder aus Leipzig würden Sie unbedingt empfehlen?
Selber machen! Ich bin großer Befürworter der Laienkunst.
So, und jetzt wirklich: Ihr letztes Wort?
Ich halte es nicht mehr für sinnvoll, mit Nazis zu diskutieren, paradoxerweise aber für eine gesellschaftliche Pflicht, ihnen immer und immer wieder vehement zu widersprechen.
Text: Max Feller
