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Donnerstag, 22. Februar 2018
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: In Leipzig :: Besser leben :

In Leipzig gibt es eine neue Veranstaltungsreihe. Ein ehemaliger Marineoffizier lädt im soziokulturellen Zentrum Budde-Haus" zum philosophischen Salon. Im Februar heißt das Thema, frei nach Giovanni Trapattoni, Was erlaube Sachsen?", es geht um das soziale Miteinander in Ostdeutschland. Grund genug, bei Dr. Jirko Krauß nachzufragen



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Wie wird aus einem Marineoffizier, der 12 Jahre lang, zuletzt im Bereich U-Boote, gedient hat, ein Mediator, ein philosophischer Praktiker, Coach und Dozent? Man könnte denken, dass das Eine hierarchisch und streng, das Andere feingeistig und phantasievoll ist
Auf den ersten Blick sieht das in meiner Biografie wie ein Bruch aus, aber es ist relativ simpel, wenn man mich und meinen Weg kennt. Ich habe mich bereits als Jugendlicher für die westliche, aber auch für buddhistische Philosophie interessiert und wollte das gerne studieren, habe mich aber doch anders entschieden. Vielleicht bin ich aus ein wenig naiver Abenteuerlust zur Marine gegangen. So genau weiß ich das nicht mehr. Zumindest konnte ich meine Interessen im Studium und dann später in der Promotion, die ich neben meinem Dienst als eine Art Ausgleich gemacht und dort für mich auch gebraucht habe, stets weiterverfolgen. Natürlich hat es immer wieder Punkte gegeben, an denen die Dinge nur schwer oder gar nicht vereinbar waren.
Aber an solch existenziellen Krisen und Widersprüchen kann man auch wachsen. Das ist wahrscheinlich ein Grund, weshalb meine philosophische Ausrichtung stark praxisbezogen ist. Zu der neuen Veranstaltungsreihe: Im Februar geht um das Miteinander in Ostdeutschland. Wie kann man sich diese Veranstaltung vorstellen? Gibt es einen Unterschied zu den vielfältigen Diskussionsforen, die es bereits gibt? Eine starke Zivilgesellschaft lebt doch von diversen Gesprächsangeboten für unterschiedliche Leute, also vom Deliberieren, wie Habermas sagt. Solche Salons haben eine lange Tradition. In Kiel habe ich bereits kleinere Salons ausprobiert, in Leipzig zwei Jahre lang zusammen mit meiner Kollegin Cornelia Rank eine ähnliche Veranstaltung an der Volkshochschule durchgeführt. Ich bin gerade dabei, diese Reihe zu gründen übrigens nicht allein. Aber es gibt noch so manche offenen Fragen. Welche Leute werden kommen? Welche Themen stoßen auf Interesse? Noch ist offen, wie sich die Reihe entwickeln wird.
Aber alle sechs Wochen soll ein Treffen stattfinden, vielleicht auch einmal im Monat, wie es sich die Teilnehmenden des ersten Salons im Januar gewünscht haben. Was man sicherlich sagen kann, ist das: Es geht nicht um streng logisches Argumentieren wie in einem Philosophie- oder Ethikseminar an der Uni. Und trotzdem ist mit dem Salon ein Anspruch verbunden, nämlich mehr zu sein als ein Ort, an dem lediglich Meinungen hinund hergeworfen werden und aneinander vorbeigeredet wird, wie wir das aus Talkshows kennen. Es geht um eine Förderung von gegenseitigem Verständnis und um Verständigung untereinander.
Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie unterschiedlich Ansichten sein können. Und es ist etwas Anderes, dies tatsächlich konkret zu erfahren als nur theoretisch zu denken. Es gibt ein paar Prinzipien, wie gegenseitige Toleranz und Offenheit. Im Zentrum stehen das gegenseitige Kennenlernen von verschiedenen Ansichten. Davor kann es unterschiedliche Anfänge" geben, etwa kurze Impulsreferate, ein Dialog mit einem Gast, eine Mini-Lesung. Nehmen wir das Februar-Thema: Sie müssen mit Positionen rechnen, die auch hart mit rechtsextremen Haltungen flirten. Argumente haben ihre Grenzen, wenn sich Ideologien entfalten wollen. Wie würden Sie damit umgehen? Moderatoren wird empfohlen, neutral zu sein.
Möglicherweise wird sich die Rolle im Salon jedes Mal neu verändern, zumindest in Nuancen. Als Mediator bin ich Vermittler und hoffe, dass ich mir in den vergangenen Jahren ein gutes Gespür angeeignet habe, welches Handeln in einer Situation dienlich ist. Und damit meine ich nichts Beliebiges. Manchmal kann es hilfreich sein, eine vermittelnde Position einzunehmen, manchmal vielleicht nicht. Aber eins ist ganz klar: Wenn Grenzen überschritten werden, müssen die Leute gehen. Ich habe von den Prinzipien des Salons gesprochen, für die ich jedes Mal neu sensibilisieren möchte. Grundlegend ist ein wenig Feingefühl wichtig. Was ich nicht will, ist Leute in die Falle tappen zu lassen oder sie vorzuführen. Warum sollte man in Ihre philosophische Praxis kommen?
Man sollte Sie nicht mit einem professionellen Therapeuten verwechseln. Philosophische Praxis hat irgendwie etwas von allem: therapeutische, aber auch Beratungs- und Bildungselemente. Im Grunde geht es dabei, allgemein ausgedrückt, um eine verbesserte Lebens- und Weltorientierung sowohl was die einzelnen Gäste in meiner Praxis betrifft, als auch was gesellschaftliche Aspekte angeht. Ich orientiere mich dabei an der alten philosophischen Frage nach dem guten Leben: Eine Frage, die in unserer Zeit zwar von einigen Leuten kritisch gestellt und untersucht wird, da fällt mir aktuell etwa Hartmut Rosa ein, aber mit Sicherheit nicht die dominierende ist. Meine Arbeit sehe ich darin, gemeinsam mit meinen Gästen ein Stück weit Freiheit in Bezug auf deren Anliegen zu gewinnen. Und zwar vor allem durch den Dialog, das gemeinsame Beratschlagen. Wer kommt?
Nun, verschiedene Leute: Leute, die leiden, aber nicht zum Therapeuten wollen. Menschen, die sich weiterentwickeln möchten. Menschen, die merken, dass sie zwar ganz gut dastehen in der Gesellschaft, aber trotzdem irgendwie weit weg von diesem guten Leben stehen.

Neuer philosophischer Salon Was erlaube Sachsen?", 28. Februar, Budde-Haus, 18 Uhr, www.philopraxis-leipzig.de

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