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Samstag, 20. Januar 2018
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: In Leipzig :: Der Mythos der Knilche :

Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt die Ausstellung DDR-Comic Mosaik" - Dig,Dag,Digedag". Da der Mythos der Knilche bis heute lebt, wäre eine umfassende Schau wünschenswert


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Betritt man die Ausstellung, weisen Zeitzeugen auf Videosequenzen den Weg, es ist ein Weg zum Mythos. Die Digedags. Das ist ein Bündel an visuellen Eindrücken, die tief mit jenen, die in der DDR sozialisiert wurden, verknüpft sind. Doch was macht ihn aus? Eine Digedag-Serie, da konnte man schon einmal gut und gerne fünf Jahre lang mit den Knilchen auf Reisen gehen. Die Faszination des ausgiebigen Erzählens: Das hat es schon vor Breaking Bad und Co. Gegeben. Die Reisenden waren die Leser, das waren wir. Das war ein gutes Gegengift gegen die Zwangssesshaftigkeit", so der Journalist Christoph Dieckmann. Und hätte Tobias Künzel, Mitglied der Band Die Prinzen", seine schulischen Physikaufgaben ohne das Mosaik lösen können? Er selbst verneint es.

Die Original-Digedags, das war und ist (!) Bückware. Einige Audiomitschnitte deuten Obsessionen an: Das Jagen nach den Heften war und ist (!) fast wichtiger als das Lesen. Sammeln, tauschen, ergänzen bis hin zur Zweit- oder Drittsammlung, die, aufbewahrt in Klarsichtfolien, wie der eigene Augapfel behütet wird. Die Ausstellung zeigt 150 Original- Zeichnungen, Entwürfe und Modelle aus dem Archiv des Erfinders Johannes Hegenbarth (1925- 2014). Und doch wird der Mythos, der im Blutkreislauf der Leser und Sammler vibriert, nicht hinreichend sichtbar. Stattdessen? Eine geschichtliche Verortung! Zurück zu all den amerikanischen Räuberpistolen", zurück zur Schmutz- und Schundliteratur", die ab Mitte der 1950er Jahre einzudämmen oberstes Jugendgesetz war.

Die Digedags sollten ein Gegenmittel zum Schund sein. Tatsächlich übertrifft das künstlerische Niveau noch heute viele Kinder- und Jugendbücher. Zurück zum Blick, der den staatlichen Erziehungswahn der DDR wieder in die fragwürdige Nähe der Nationalsozialisten rückt: In der Ausstellung sind Bilder von Comic- erbrennungen aus Ostberlin (1955) zu sehen, der Schwerpunkt der Schau liegt auf jenem Spannungsfeld, welches die Digedag- Produzenten bis zum Ende 1975 begleiten sollte.

Jedes der 223 Hefte, die in einer Auflage von bis zu 660.000 Exemplaren, zuerst im Buchverlag Neues Leben, ab 1960 im Verlag Junge Welt, erschienen sind, soll unter einem prüfenden Blick gestanden haben: Wird die sozialistische Persönlichkeit" beworben? Zweifelsohne, so erzählt man von der DDR. Aber erzählt man so auch von den Digedags? Auf das Binnenklima im künstlerischen Team wird viel zu wenig eingegangen. Ein Zitat von Einar Schleef aus dem Jahr 1965, wonach die Ausgeflippten zwar gut bezahlt, aber stumm über den Zeichentisch gebeugt waren, lässt aufhorchen. Bilder der Künstler hängen menschlich ernüchternd an den Wänden. Aber wie prägte der Geist der Digedags seine Produzenten? Auch die Legendenbildungen nach dem mysteriösen Digedag- Ende bleiben unberücksichtigt. Und wo ist das Schicksal der nachfolgenden Abrafaxe? Konnte der Mythos mithilfe von drei neuen Knilchen einfach fortgesetzt werden? Dafür hängen Bilder der Serien Weltraum", Erfinder", Ritter Runkel", Amerika" und Orient" als Beweis dafür, dass sich Hegenbarths Geschichten der Staatsideologie verweigerten. Nur die hohen Auflagen sollen zur Duldung geführt haben. Wenige Stellen berühren den Mythos, beispielsweise am Ausgang ist das so: Neben der legendären letzten Seite, die die Knilche zu einer Stadt der Träume, zu einer Fata Morgana, reiten lässt, hängt die Abschrift eines Briefes von Hegenbarth. Er forderte mehr Mitarbeiter, weniger Hefte und kündigte seinen Vertrag, um entsprechenden Druck aufzubauen. Das war das Ende.

Die Digedags verschwanden, die Ausgeflippten verloren nach 20 Jahren ihren Überlebenskampf, der fortan zurückgezogen lebende Hegenbarth bekam 2010 das Bundesverdienstkreuz. Eine umfassendere Ausstellung wäre möglich, wenn nicht sogar notwendig gewesen. Die Geschichten all jener, die sich heute noch, suchend nach den Heften, auf analogen und digitalen Flohmärkten treffen, fehlen ganz. Schade.

DDR-Comic Mosaik" - Dig, Dag, Digedag", Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, Öffnungszeiten: Di-Fr 9.00-18.00 Uhr,Sa/So 10.00-18.00 Uhr, Eintritt frei


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