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Samstag, 20. Januar 2018
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: In Leipzig :: Volle Dröhnung :

Die Jungs aus Mecklenburg- Vorpommern mit dem schönen Namen „Feine Sahne Fischfilet" hauen im Januar das neue Album „Sturm und Dreck" unter das partywillige, progrssive Volk. Im Februar setzen sie dann das Haus Leipzig unter Starkstrom



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„Wir sind zurück in unserer Stadt / Und scheißen vor eure Burschenschaft". Na, wenn das nicht mal ein Einstieg ist, das fünfte Studioalbum „Sturm und Dreck" von Feine Sahne Fischfilet eröffnet mit Peitschenhieben. Die Essenz ist, wenig überraschend, eine volle Dröhung Wut, Herz und Haltung. „Wir leben gerade einen Traum, den ich nie hatte", sagt Sänger Jan „Monchi" Gorkow. Fast scheint es, als würde sich auch „Sturm und Dreck", das am 12. Januar erscheint, im permanenten Modus des Erfolgsrausches befinden. „Schlaflos in Marseille", „Alles auf Rausch", das sind so typische Feine Sahne Fischfilet-Knaller, die die ausverkauften Hütten der Republik vibrieren lassen. Da geht es um die Kneipe, die den Verstandraubt, um den Suff und um die Kippen, die dem Freunde angezündet werden.

Da geht es um jenes Testosteron, welches geprägt von politischen Rechtsdrehern wuchtig um Alternativen ringt. Was ist Politik? Was ist Party? Was ist Kampf? Was ist systemstabilisierendes Durchdrehen? Das Sextett Feine Sahne Fischfilet, die Geschichte begann 2007 als Rückzugsmethode aus dem Langeweilemief der ostdeutschen Provinz, ist jene Schülerband, die im Rumpelpunk und im Halbstarkengestus eine Überlebensmöglichkeit gefunden hat. So etwas schweißt zusammen, so wird man zu Stars hochdekorierter Festivals. „Ich werde für dich lügen / Auf den Dächern nachts um vier" heißt es in „Schlaflos in Marseille".

Und wenn man es dann, 2011 war es, auf zwei Seiten im Verfassungsschutz Mecklenburg- Vorpommern bringt, scheint die Marke abgerundet. Antifaschistisch, kompromisslos, exzessiv. Im Song „Zuhause" ist die Heimat die ganze Welt: „Reiß ihre Zäune ein / Reiß alle Zäune ein / Du riskierst jetzt alles fürs Glück." Schon einmal darüber nachgedacht, dass eine konsequente „No Nations, no Border"- Vorstellung auch die Vorteile eines staatlichen Schutzes (einklagbare Rechte und soziale Mindeststandards) über Bord kippen würde?

Egal, Feine Sahne Fischfilet sind jene politischen Vollgas-Veranstalter, die denen eine Bleibe bieten, die von den Toten Hosen genug haben. Die bisherigen Alben haben die Münzen im Säckel klingen lassen, Jan Gorkow, Christoph Sell (Gitarre, Gesang), Kai Irrgang (Bass), Olaf Ney (Schlagzeug) und die Trompeter Jacobus North und Max Bobzin spülte es bis nach Osteuropa, die Kritiker der Szenemedien zogen ihre Hüte. Energetische Bläser, wütende Texte. Im Song „Dreck der Zeit" rotzt es vor dem Hintergrund der Historie des NSU, verschärften Asylgesetzen und dem Mittelmeer als Massengrab ermutigend: „Das ist die Realität, die dir in die Fresse knallt / Doch es lohnt, zu kämpfen". Erbauung für die Wenigen. Mit „Wasted In Jarmen" hat die Band ein selbstveranstaltetes Festival in der ländlichen Heimatregion installiert. Auf dem Land ist der Kampf gegen Rechts besonders zäh und schwierig. 2016 folgte „Noch nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen den Rechtsruck", das ist eine eigens zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufenen Initiative. Feine Sahne Fischfilet sind Botschafter.

Mit Veranstaltungen, Lesungen und Konzerten mobilisieren die Jungs für mehr Solidarität und Menschlichkeit. Gorkow dazu: „Wir nutzen schamlos die Öffentlichkeit aus, die wir gerade bekommen, und versuchen, geile Aktionen zu reißen." Machen statt meckern: „Wenn die Kacke am Dampfen ist, muss man halt selber Action machen", so Gorkow. Neben all den erwartbaren Einheizern versucht sich das neue Album auch an Selbstreflexionen: „Warum such ich immer nach einem Konflikt? / Wann hab ich das letzte Mal nüchtern gefickt?" heißt es in „Ich mag kein Alkohol".

Mit „Wo niemals Ebbe ist" gelingt ein hymnischer Shanty-Schunkler: „Mein Zuhause ist der Strand / Denn dort hab ich kein Empfang." In „Wir haben immer noch uns" wird sich innerhalb der Community Zuversicht zugeprostet: „Jetzt sind die 90er zurück / Sie fordern täglich ein Genick / Wir haben angeklagt / Und doch selber auch versagt / Nehmen wir genug in Kauf? / Wie hält man Lawinen auf?" Verbrüderungsexzesse, das Private ist auch politisch und das Politische immer auch privat. Insgesamt weht auf „Sturm und Dreck" eine steife Brise, die ganz zugeschnitten ist auf jene kollektiven Grenzerfahrungen, die Feine Sahne Fischfilet auf Konzerten entfesseln. Mit dazu beigetragen hat Produzent Tobi Kuhn, der sein Können schon bei Thees Uhlmann oder den Toten Hosen unter Beweis gestellt hat. Mit seiner Unterstützung haben Feine Sahne Fischfilet einen Brocken an lauter, leidenschaftlicher, gleichzeitig roher und manchmal poetischer Rockmusik abgeliefert. Beschwingt, angriffslustig, nicht zu komplex, stadiontauglich. Ernüchterung, Suff, Spaß, Agitation, Vernunft und Randale. Ist das Punk? Gorkow dazu: „Ich war nie Punk im engeren Sinne. Ich fühle mich nicht einer bestimmten Gruppe zugehörig. Wir haben einfach Bock, neue Sachen zu probieren und sind generell für vieles offen." Im Frühjahr kommt unter dem Titel „Wildes Herz" eine Filmbiografie über Sänger „Monchi" in die Kinos. Respekt!


Feine Sahne Fischfilet, 9. Februar, Haus Auensee, 20 Uhr, www.feinesahnefischfilet.de

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