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Freitag, 23. Juni 2017
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: In Leipzig :: „Wir haben Bock auf die Besorgten“ :

Lisa Wilfert inszeniert Nils Matzkas „Nie wieder schön" zum KAOS-Kultursommer.

Am 23. Juni ist Premiere. Denn der Leipziger Slam-Poetry-Krösus und Preiseeinheimser Nils Matzka hat ein Stück geschrieben und ganz bestimmt wird sich das internationale Theater-Feuilleton auf ihn stürzen. Damit wir da nicht Schlange stehen müssen, klopft FRIZZ-Redakteur Volly Tanner dahingehend gleich mal bei der Frau an, die Matzkas Erstling inszeniert. Also: Vorhang auf! Und ein tosender Applaus für: Lisa Wilfert!

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Guten Tag, Lisa. Sie inszenieren das erste Theaterstück unseres Leipziger Slam-Helden Nils Matzka für den KAOS-Kultursommer. Das Stück heißt „Nie wieder schön". Geht's um Dresden im PEGIDA-Rausch? Um Unterleibs-Schöhheits-Operationen? Um Betongold? Worum geht es denn?

Auf jeden Fall natürlich um Betongold. Und Flüssigschminke. Und dann noch um Identität und was uns als Mensch definiert. Das sind ja auch die Fragen, mit denen mensch sich mindestens in der Adoleszenz beschäftigt. Und mit Jugendlichen arbeite ich auch dieses Jahr wieder. Mein jüngster Schauspieler ist fünfzehn Jahre alt, der Älteste zweiunddreißig. Passt perfekt. Im Probeprozess beschäftigt mich im Moment am meisten, dass Biologie ja nicht alles ist, was uns ausmacht. Welche Rollen spielen wir jenseits davon? Entsprechen sie unserem Geschlecht? Ist Identität ein Fakt oder ist Identität Selbstwahrnehmung?

Eine solche Inszenierung schütteln Sie ja sicher nicht so einfach aus dem Ärmel. Da gehört ja eine persönliche Vorgeschichte dazu. Können Sie Ihre künstlerischen Stationen kurz für uns skizzieren?

Das ist eine schöne Geschichte. Ich war dreizehn Jahre alt, als ich die Dramaturgin Isabella Hertel-Niemann kennen lernte. Sie führte mich ein, in diese mir vertraut-fremde Welt. Mittlerweile leitet sie den Fachbereich Theater in der Kulturwerkstatt KAOS. Ich leckte immer mehr Theaterblut und wollte ernst machen. Also studierte ich Schauspiel an der Hochschule der Künste in Bern (Schweiz) bis 2015. Da kam dann alles zusammen. Klassisches Schauspiel, Performance, zeitgenössischer Tanz und Einflüsse aus ganz Europa: Ivo Dimchev, Laurent Chétouanne, Rimini Protokoll, Gob Squad, Volker Lösch und natürlich die Berner Schule. Und dann begann ich nach dem Studium meine persönliche Suche, wie ich Kunst und Vermittlung ganz nah beieinander leben kann. Und dann kam KAOS wieder ins Spiel. Dieser einmalige Ort, an dem ich Professionalität und Lockerheit verbinden lerne. Und immer unterstützt werde.

Das Stück ist ja im besten, also philosophischen, Sinne Science Fiction. Ganz ohne Raumschlacht und Völkermassaker. Haben Sie bei den großen Helden: Bradbury, Lem & Co. ein bisschen abgekupfert? Oder ist alles reinstes Matzka-Wilfert-Team-Baby?

„Nie wieder schön" ist voll und ganz das Baby des Leipziger Slam-Poeten Nils Matzka. Ich glaube, ihn hat weniger die alte Schule inspiriert, als aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen und Comicserien. So gesehen ist das Stück eher eine Art Zukunfts-Tragikomödie. Mit Raumschlachten im besten Sinne, aber ohne Massaker. Ich dagegen hole mir meine Ideen bei Xavier Dolan und Alex Garland (ex machina). Und natürlich bei den Jugendlichen selber, aus denen die Themen ursprünglich erwachsen sind. Die brauchen wir nur noch aufzugreifen und dann ästhetisch zu verhandeln.

„Nie wieder schön" läuft während dem achten KAOS-Kultursommer unter dem Motto „Love me gender". Da fallen viele Вesorgte vor Besorgung gleich vom Fernsehsessel. Wie gehen Sie mit bestimmt eintretender Trollerei um? Ignorieren? Ausdiskutieren? Doofe hofieren?

Ignoranz ist ja langweilig und verklemmt. Wir sind auf jeden Fall bereit zum Publikumsgespräch. Beratung dazu bekamen und bekommen wir von der Vorsitzenden vom TSIS-Verein, Selbsthilfe für Trans- und Intersexuelle Leipzig, Carina Schmidt. Und außerdem, ein Theaterabend, der nicht zu Gespräch und Diskussion anregt, ist wohl kaum sehenswert. Wir haben Bock auf die Besorgten! Kommt und lasst uns reden! Wie es in Matzkas Stück heißt: Die Feier muss auf die Straße.

Und dann geht es doch bestimmt auf Reisen mit dem Stück, oder? Mailänder Scala, Friedrichstadtpalast, Stadthalle Posemuckel. Ja? Erzählen Sie doch mal bitte, was mit der Inszenierung nach dem KAOS geplant ist.

Die Inszenierung bewirbt sich beim at.tension-Festival für Theater auf dem Fusion-Gelände. Des weiteren ist „Nie wieder schön" auf dem Theaterfest des KAOS-Kultursommers vertreten. Da das Stück keine Oper ist, ist die Mailänder Scala als Bühne vielleicht ungeeignet, aber wenn du ein anderes Theaterhaus in ähnlichen Größenverhältnissen vermitteln kannst, sind wir zur Kooperation bereit.

Nils Matzkas „Nie wieder schön",Premiere 23. Juni, 20 Uhr, KAOS-Kulturverein, Wasserstraße, weitereAufführungstermine am 24. und 25. Juni  


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